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110 Jahre Betten Struve in der Lübecker Innenstadt

110 Jahre Tradition – „Davon allein kann man sich nichts kaufen.“ so Leif Ginap, Urenkel des Gründers von Betten Struve und heutiger Geschäftsführer des Bettenfachgeschäfts. „Doch es ist schon etwas Besonderes, die alte Holztreppe hinaufzugehen, die bereits vor hundert Jahren eingebaut wurde. Und immer noch am selben Standort zu sein.“ Trotz vieler Modernisierungsmaßnahmen in der Königstraße 87-89 bestimmt die ursprüngliche Architektur des Gebäudes immer noch die grundsätzliche Raumaufteilung mit. Die Atmosphäre von damals hat sich in Teilen bis heute gehalten.

Dazu tragen auch die Original-Stuckdecke und die großen Fenster im ersten Stock bei. Eingebaut wurden sie 1906, aufwendig saniert zwischen 2008 und 2010, rund einhundert Jahre später. Als Besucher von Betten Struve spürt man diese tiefe Verwurzelung des Unternehmens, seine Erfahrungen und Werte wie Vertrauen und Qualität. Gleichzeitig sind die Räume hell, modern und im Gesamtkonzept fortschrittlich. So wähnt man sich auf den ersten Blick eher in einer Boutique als in einem klassischen Bettengeschäft. „Das ist das Schöne“, sind sich die Brüder Ginap einig, „wir sind ein Familienunternehmen mit Tradition und Zukunft.“

Archivbild von 1979

Betten Struve 1979

Großer Umbau, klare Ausrichtung

2010 erhielt Betten Struve gleich zwei Preise, die zusammengenommen einen Meilenstein in der bewegten Geschichte des Lübecker Bettenhauses markieren. Von der Fachzeitschrift Haustex wurde Betten Struve für die erfolgreiche Übernahme der Firma durch die Brüder Ole und Leif Ginap zum Bettenfachhändler des Jahres gekürt. Auch die Kaufmannschaft zu Lübeck ehrte das Bettenhaus und verlieh ihm 2010 ihren Architekturpreis für die Sanierung und den Umbau des Geschäftshauses in der Königstraße 87/89.

Umbau abgeschlossen

Architekturpreis für Gewerbebauten

unser Architekturpreis

„Wir haben jetzt eine ganz klare Ausrichtung“, sagt Leif Ginap. Betten Struve sei nach der Firmenübernahme und dem Umbau ein Fachgeschäft mit einem „wohlüberlegten Sortiment“. Bei dem steht vor allem eins im Vordergrund: Qualität. Und zwar sowohl bei den Produkten und Dienstleistungen als auch bei der fachkundigen Beratung der Kunden. Die Neuausrichtung hat sich im Laufe der Jahre entwickelt und kumulierte im „großen Umbau“ der Geschäftsräume in der Königstraße.

„Da hat der Sprung in die Zukunft begonnen“, blickt Leif Ginap auf das Jahr 2008 zurück. Die beiden Inhaber beschlossen, Betten Struve mit der Sanierung der Fassade ein neues Gesicht zu geben.

Als bei der Sanierung das alte, vom Boden bis zum Dach reichende Schaufenster herausgebrochen wurde, förderte dies mit dem Stuck an der Zwischendecke allerdings nicht nur einen erhaltenswerten „Schatz“ aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts zutage. Klar wurde den Bauherren auch, dass die Decke erneuert werden musste – und zwar komplett, wie sich wenig später herausstellen sollte. „Die konnten wir nicht mehr flicken“, resümiert Leif Ginap jenen Tag Ende September 2008, als den Brüdern die marode Decke sprichwörtlich auf den Kopf fiel. Zum Glück wurde bei dem Unfall niemand schwer verletzt. Gleichwohl musste fortan die gesamte Fläche des Geschäftshauses in der Königstraße bei laufendem Betrieb entkernt und neu gestaltet werden.

1999 beginnt der Generationswechsel

Im April 2009 eröffnet Betten Struve neu mit einer großzügigen, aber voneinander getrennten Fensterfront in den beiden unteren Etagen und einem modernisierten Verkaufsraum. Im Verkaufsraum wurde ein Teppichboden verlegt und eine neue Lichtlösung gefunden. Die hochwertigen und wohlüberlegt ausgewählten Produkte werden neu präsentiert, in Nischen und frontal beispielsweise. „Wir sind glücklich über diese Entwicklung“, sagt Leif Ginap. Der Umbau und die damit auch beim Sortiment abgeschlossene Neuausrichtung habe das ganze Unternehmen neu geformt. Das Team sei noch mehr zusammengewachsen und habe sich verändert.

Für Leif Ginap als Geschäftsführer von Betten Struve und Nachfolger seines Vaters Knut Ginap haben die Veränderungen allerdings schon früher, und zwar mit einer radikalen Schlankheitskur der Firma begonnen. 1999 ist er bei Betten Struve als leitender Angestellter und Prokurist eingestiegen. Zu dieser Zeit hatte das Bettenhaus noch Filialen in Bad Schwartau, Eutin und Stockelsdorf und – mit einem Bettenmarkt, der auf günstige Produkte setzte – sogar an der Autobahn Richtung Hamburg. „Wir verkauften in volle Schränke“, sagt Leif Ginap zur schwierigen Lage im Einzelhandel Ende der Neunzigerjahre und zu seiner Entscheidung, den Fokus allein auf das Hauptgeschäft in Lübeck zu richten. Aber auch anderes, wie die seit Jahren bestehende Praxis des Einkaufs über einen bestimmten Einkaufsverband, wurde in dieser Zeit hinterfragt und schließlich auch verändert. Die letzte Filiale von Betten Struve wurde 2006 geschlossen.

Archivfoto Betten Struve mit Polizist

unser 2. Laden in der Königstraße

2006 übernehmen Leif und Ole Ginap das Ruder

2006 ist das Jahr, in dem Leif Ginap, der 1998 seine Ausbildung als Betriebswirt (BA) an der Berufsakademie in Springe erfolgreich abgeschlossen hat, von seinem Vater Knut die Geschäftsführung übernimmt. An seiner Seite ist inzwischen auch Bruder Ole bei Betten Struve aktiv. Ole Ginap ist 2005 nach seinem Studium des Textilbetriebswirts (in Nagold) und dem Abschluss der Ausbildung zum Abteilungsleiter in einem großen Warenhaus in Süddeutschland wieder zu Betten Struve gestoßen.

„Ich wollte die Zusammenarbeit zunächst ausprobieren“, sagt Ole Ginap zu seinen Motiven. Ein halbes Jahr habe er sich Zeit gegeben, um herauszufinden, ob er mit seinem Bruder gut zusammenarbeiten könne. Es hat funktioniert. Seit 2006 ist Ole Ginap leitender Angestellter und Prokurist bei Betten Struve. Dass Knut Ginap, der nach seinem Rückzug aus dem Familienbetrieb Firmengründern und anderen Unternehmen in Schleswig-Holstein als Mentor mit Rat und Tat zur Seite steht, den Weg für die „Doppelspitze“ der Brüder frei gemacht hat, rechnen diese ihm heute noch hoch an. Ein möglicher Generationenkonflikt sei dem Unternehmen dadurch erspart geblieben, meint Ole Ginap.

1967 hat der Vater Knut Ginap bei Betten Struve angefangen

Betten Struve 1967

unser Haus 1967

Knut Ginap konnte dagegen 1977 erst nach „sehr langen Verhandlungen“ (Knut Ginap) die Geschäftsführung des Bettenfachgeschäfts von seinem Vater Paul Ginap übernehmen. Zehn Jahre zuvor war Knut Ginap, der später erfolgreich sein Studium als Textilbetriebswirt abschloss, als Verkäufer in das väterliche Unternehmen eingetreten. Ein Jahr später wurde er Prokurist.

In die Zeit der Geschäftsführung durch Knut Ginap fallen neben einem größeren Umbau in der Königstraße die in den Siebzigerjahren übliche bunte Gestaltung des Ladens, der Aufbau von Filialen außerhalb Lübecks sowie der Zukauf eines Bettfachgeschäfts in Kiel Anfang der Neunzigerjahre.

1905 wird Betten Struve gegründet

Hans Struve, Gründer von Betten Struve

Hans Struve, Gründer

Bereits zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gab es in der Geschichte des Bettenfachgeschäfts eine Phase, in der neue Filialen gegründet wurden. Damals entstanden Verkaufsräume in Itzehoe, Neumünster und Rendsburg. Bisher ungeklärt ist, warum die Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zu Betten Struve gehörten.

Dessen Firmengeschichte beginnt am 15. April 1905, als der Kaufmann Hans Struve aus Hadermaschen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) die Gebäude 87 und 89 in der Königstraße in Lübeck erwarb. Später kaufte Hans Struve die Gebäude 23 und 25 in der Wahmstraße dazu. Angefangen hat Hans Struve mit dem Verkauf von Meterware. Aus Stoffballen und Stoffen wurden Korsagen und Wäsche genäht. Aber auch Hans Struve hat schon Betten, Matratzen und Knabenkonfektionen verkauft.

Bereits ein Jahr später (1906) baute Hans Struve in der Königstraße groß um. Der erste und zweite Stock wurden erschlossen und die beiden Gebäude 87 und 89 wurden miteinander verbunden. Daneben wurden die großen Fenster im ersten Stock mit einer durchgehenden Scheibe erneuert. Das war ein „gigantischer Umbau“, weiß Leif Ginap aus Erzählungen in der Familie zu berichten. Seine Uroma, die Ehefrau von Hans Struve, habe spaßeshalber öfter gesagt, der von ihrem Mann veranlasste Umbau sei verantwortlich dafür gewesen, dass die Familie eine Zeit lang nur Brot habe essen können.

1945: Fallschirmseide wird zu Daunendecken genäht

Matratzen in den 1960er Jahren

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Paul Ginap, der ein Schwiegersohn des Gründers Hans Struve war, Teilhaber der Firma. Paul Ginap hatte bei Karstadt in Friedland (Mecklenburg) eine Lehre absolviert und begann 1922 als Verkäufer bei Betten Struve. Bei seiner zunächst nur kurzen Tätigkeit in dem Bettenfachgeschäft lernte er die Tochter Grete Struve kennen. Später heirateten die beiden. Paul Ginap verließ schon im Laufe des Jahres 1922 wieder das Unternehmen und arbeitete danach in verschiedenen Häusern von Karstadt, zuletzt als Geschäftsführer in Königsberg. Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs flüchtete Paul Ginap dann nach Lübeck zurück und wurde Teilhaber bei Betten Struve. Später übernahm er das Unternehmen.

Hans Struve und Paul Ginap befüllten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Fallschirmseide mit Daunen und verkauften sie als Decken. Relativ schnell wurde Betten Struve aber wieder zu einem Bettenfachgeschäft, in dem neben Stoffen in Meterware dreiteilige Matratzen und Federkegelrahmen verkauft wurden. Daneben wurden Tisch- und Küchenwäsche und „sich wandelnde Randsortimente“ (Leif Ginap) angeboten.

Blick in die Zukunft

„Wir wissen jetzt, wie Betten Struve in den nächsten zehn Jahren aussehen soll“, blickt Leif Ginap nach der Rückschau auf eine bewegte Familiengeschichte in die Zukunft. Die mit dem Umbau 2010 abgeschlossene Neuausrichtung von Betten Struve verbürge ein hochwertiges Sortiment und biete ein angenehmes Ambiente sowohl beim Einkauf als auch bei der Arbeit. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter in unseren Geschäftsräumen gut arbeiten können und sich unsere Kunden wohlfühlen“, sagt Ole Ginap.